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1971–1974

Musikkommune
Zur Band
Im Oktober 1970 mieteten fünf Studenten eine Zweizimmerwohnung in der Nürnberger Bayernstraße — mit Matratzenlagern statt Betten und einem Keyboard neben der Kochnische. Aus dieser Wohngemeinschaft wurde „Lord's Family“, eine der ersten deutschsprachigen Musikkommunen: 1971 zog die Gruppe in ein verfallenes Jagdschloss bei Beilngries im Altmühltal, das „Schlössl“, wo bis zu 17 Männer und Frauen zwischen 18 und 28 zusammenlebten — Studenten, ehemalige Schüler, Lehrlinge, dazu drei Schäferhunde, ein Pudel, ein Hase und fünf Katzen.
Ihre Musik nannten sie „Innere Musik“ — Lieder und ausführliche Kompositionen ebenso wie spontane Improvisation, mal rockig, mal bayerisch, mal raga-artig, gespielt auf allem von Sitar über Kornett bis zur Querflöte. Georg Frisch spielte E-Bass und schrieb u.a. „Gebt uns ein neues Land“ und „Weltall“. Regelmäßig erschien die selbstgemachte Zeitung „Family-Press“, an der alle mitschrieben. Im Oktober 1972 rückte sogar der Bayerische Rundfunk mit dem Ü-Wagen an, um eine einstündige Sendung mit der Gruppe aufzuzeichnen.
„Ich kann mich an Abende erinnern, an denen 25 Leute in den beiden Zimmern zusammenhockten“, schrieb Albert Schmidt später in seinem Buch „Die andere Wirklichkeit“ über die Anfangszeit. „Wir versuchten, jedem Gast mit Offenheit zu begegnen.“ Ohne Guru, ohne Hierarchie, ohne festes Bekenntnis suchte die Gruppe nach eigenen Antworten auf die großen Fragen — bis mitten im wachsenden öffentlichen Interesse eine innere Krise einsetzte. Bis zum Frühjahr 1974 löste sich die Kommune auf: „Aus der einen Family sind viele Familien geworden.“
48 Jahre später, 2019, erschien dank Tom Redecker von Sireena Records erstmals eine echte Schallplatte der Lord's Family — angestoßen durch Sepp Kuffers Dokumentarfilm „Lord's Family – eine vergessene Musikkommune im Altmühltal“ auf YouTube. Ein prominentes Mitglied der Kommune wurde später bundesweit bekannt: Albert Schmidt saß von 1994 bis 2005 für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.
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